Magersucht (Anorexia nervosa)

In Deutschland gibt es etwa 100.000 Betroffene – davon überwiegend junge Frauen. Eine Magersucht (Anorexia nervosa, etwa „nervlich bedingte Appetitlosigkeit“) besteht, wenn das Körpergewicht mindestens 15 Prozent unter dem minimalen Normalgewicht liegt. Extremer Gewichtsverlust ist das wichtigste Kennzeichen der Erkrankung. Fast immer nehmen Betroffene ihren Körper verzerrt wahr, fühlen sich trotz knöchriger Figur dick und haben panische Angst zuzunehmen. Magersüchtige haben extrem hohe Ansprüche an sich selbst. Sie sind oftmals sehr gut in der Schule/Beruf und obwohl es immer schwieriger wird, bringen sie lange gute Leistungen. Sie sind sehr ehrgeizig und vergleichen sich ständig mit anderen. Häufig gehen sie über ihre Grenzen hinaus.

Betroffene essen nicht mehr spontan und erst recht nicht gern. Vor allem in Gesellschaft finden sie stets Argumente, warum sie grade nicht essen wollen: „Ich habe schon gegessen, ich habe keinen Hunger, mir ist irgendwie schlecht“ usw. Falls doch gegessen wird, dann nur fettarmes, kalorienreduziertes oder gesundes. Süßigkeiten, Fleisch und fettige Lebensmittel werden als erstes vom Speiseplan gestrichen. Aber auch sonst ist die Nahrungsauswahl oft sehr reduziert. Häufig wird das Essen zudem ritualisiert: Jeder Bissen muss x-Mal gekaut werden, oder es wird nur zu einer bestimmten Zeit oder extrem langsam gegessen. Manche greifen auch zu Babynahrung und löffeln Breigläschen. Im Extremfall wird die Zufuhr auf ein Minimum gedrosselt. Das heißt beispielsweise zwei Äpfel oder Rohkost und etwas Magermilchjoghurt am Tag. Einige Verhaltensweisen erscheinen widersprüchlich, sind aber typisch, beispielsweise, dass Magersüchtige Rezepte sammeln und für andere kochen und backen, aber selbst nichts essen.

60 Prozent der Magersüchtigen unterbrechen ihre Dauerdiät mit Essattacken – entweder, weil der Hunger unerträglich ist oder sie dem Drängen der Eltern oder des Partners nicht Standhalten können. In diesem Moment verlieren sie die Kontrolle über die Kontrolle und fühlen sich schlecht. Durch Erbrechen oder Abführmittel wird ihr Essanfall anschließend ungeschehen gemacht. Solche Betroffene zählen zum bulämischen Typ der Magersucht.

Die Magersucht kann großen Schaden anrichten. Denn das niedrige Gewicht wirkt sich auf den gesamten Stoffwechsel und alle Organe aus, und das Hungern macht seelisch krank. So können Angsttörungen, Zwangserkrankungen und depressive Verstimmungen entstehen.

Eine ausführliche Auflistung der Folgen und weitere Informationen finden Sie auf der Essstörungsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA).